Montag, 21. Mai 2012 Heft IKZ-Energy 6-2009
 
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Effektive Altbausanierung mit Solar - Die Lindenbergsiedlung in Siegen

06.01.10 - 13:34 Uhr
Jürgen Brück Am östlichen Stadtrand von Siegen, etwa 2,5 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, liegt der Stadtteil Lindenberg. Seit dem Jahr 2007 findet sich hier ein ganz besonderes Mietobjekt. Innerhalb von zwei Jahren wandelte sich die typische 1950er-Jahresiedlung zu einer hochmodernen Solarsiedlung.

Die Lindenbergsiedlung in Siegen.

Auf den ersten Blick scheint es sich bei dem Objekt Wetzlarer Straße 29 - 45 um eine ganze normale Siedlung zu handeln, wie man sie in größeren Städten für gewöhnlich vorfindet. Allenfalls ein wenig schmucken erscheinen die vier dreigeschossigen Häuserblocks mit insgesamt 54 Wohneinheiten. Ursprünglich waren sie, wie unzählige andere, Mitte der 1950er-Jahre fertiggestellt worden, um den Wohnungsbedarf nach dem Zweiten Weltkrieg zu decken. Doch, wenn man sich die Bauten ein wenig näher betrachtet bemerkt man schnell, dass es ich um eine ganz besondere Siedlung handelt. In rund zweijähriger Arbeit verwandelte man dieses Wohngebiet nämlich in eine hochmoderne Solarsiedlung.

Für viele Jahre kein Sanierungsbedarf
Die Idee, hier nicht, wie an vielen anderen Orten üblich, nur die nötigsten Instandhaltungsarbeiten, sondern eine grundlegende Sanierung vorzunehmen, stammt maßgeblich von Hans-Georg Haut, dem geschäftsführenden Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft Siegen eG (WGS), der u. a. die Siedlung in der Wetzlarer Straße gehört. "Das Dach war undicht, und wir haben uns gesagt, es bringt überhaupt nichts, nur das Dach zu machen. Damit hätten wir nichts für die Zukunft getan, sondern nur den Bestand erhalten, und das wollten wir nicht", erklärt Haut das besondere Engagement der WGS und fährt fort: "Wir haben natürlich auch gesehen, dass die fossile Energie endlich ist und haben uns vor diesem Hintergrund überlegt: Wie sollen wir hier weiter vorgehen?"  Nachdem er dann eine Solarsiedlung in Bonn Tannenbusch besichtigen konnte, war für Haut die Entscheidung gefallen, ein ähnliches Konzept auch in Siegen Lindenberg auszuprobieren.

Ein wichtiger Leitgedanke bei der Planung und Realisierung der Sanierungsmaßnahmen war es - auch für die Wirtschaftlichkeit des gesamten Projekts -, von Anfang an "Nägel mit Köpfen zu machen" und so innerhalb der nächsten 20 bis 30 Jahre keinen Sanierungsbedarf bei diesem Objekt mehr zu haben. Und so schnürte man ein ganzes Bündel von Maßnahmen, das der Siedlung in der Wetzlarer Straße innerhalb von zwei Jahren ihr ganz neues Gesicht verlieh.

Haut betont, dass die Investitionskosten natürlich recht hoch waren, aber dass sich aufwendige Umbaumaßnahmen auch aus kaufmännischer Sicht durchaus lohnen werden. Eine energieeffiziente Sanierung ist also lange nicht nur ein schöner Spleen von Umweltromantikern, sondern auch für Wirtschaftsunternehmen eine gute Sache.

Zunächst einmal ging es bei der Sanierung um die Dämmung der Gebäudehülle.

Eine weitere wichtige bauliche Maßnahme war es, die auskragenden Balkone zu entfernen. Derartige Bauteile stellen Wärmebrücken dar, über die erhebliche Anteile der Heizenergie ungenutzt an die Außenwelt abgegeben werden. Sie wurden durch moderne aufgeständerte Alubalkone ersetzt, die nun nicht nur der Vermeidung von Wärmebrücken, sondern auch als Blickfang dienen.

Zum Heizen wurden blockweise zentrale Gasbrennwerttherme mit Pufferspeichern installiert, die durch Solaranlagen mit einer Kollektorfläche von insgesamt 142 m² unterstützt werden. Da die Dächer eine günstige Ausrichtung aufweisen, montierte man auf deren Südseite PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 66  kWp. Den besonderen Clou der Sanierungsmaßnahmen stellt die Installation einer zentralen Belüftungsanlage pro Block dar. Derartige Installationen werden derzeit in Mietshäusern nur sehr selten durchgeführt, Hans-Georg Haut ist aber dennoch davon 100%ig überzeugt: "Jede Wohnung ist an eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung angeschlossen, sodass wir 90 % der Energie nicht mehr zum Fenster rauslassen, sondern wieder zurückgewinnen können." Außerdem weist er darauf hin, dass durch diese spezielle Maßnahme auch gewährleistet wird, dass keine baulichen Schäden wie massive Schimmelbildung mehr durch falsches Lüften entstehen können.

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