Zuverlässige Grundlage für Projektentwicklungen
25.09.09 - 09:03 Uhr - Alter: 2 Jahre
Christian Eberl • Bernhard Gubo Im gegenwärtigen energiewirtschaftlichen und politischen Umfeld entwickelt sich die Tiefengeothermie in Südbayern in zahlreichen Projekten dynamisch. Bei geeigneten Bedingungen kann Wärmenutzung bei Geothermie-Kraftwerksvorhaben für Projekt, Kommune und Umwelt einen Mehrwert liefern - manchen Projekten verhilft sie überhaupt erst zur Lebensfähigkeit. Im GIS werden Wärmebedarf (Sachdaten) und geografische Lage (Geodaten) verknüpft.
Räumlich hochaufgelöste kommunale Wärmekataster - georeferenzierte, datenbankbasierte Abbildung des Wärmebedarfs - und darauf aufbauende Erschließungsszenarios und Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen berücksichtigen lokale Besonderheiten und sind die Basis für verlässliche Projektentwicklung. Intransparente "Bierdeckelrechnungen" und "Faustwerte" sind kein Ersatz und können bei Fehleinschätzungen teuer werden. Für zwei Gemeinden im Aufsuchungsgebiet der GEOenergie Bayern GmbH wurde die Machbarkeit einer Geothermie-Nahwärmeversorgung gezeigt. Hintergrund
GEOenergie Bayern GmbH ist eine Ingenieur- und Projektentwicklungsgesellschaft mit Schwerpunkt Projektmanagement, Finanzierung, Kraftwerks- und Bohrtechnologie. In den nächsten Jahren sind bis zu zehn Geothermieanlagen in Planung. Die Team für Technik GmbH ist eine Ingenieurgesellschaft mit langjähriger Erfahrung in den Bereichen EE, Fernwärme und Energiekonzepte.
Projekt und Wärmekataster Aus verfügbarem Kartenmaterial wurde ein GIS-Modell aufgebaut (GIS = Geoinformationssystem). Mit ortskundigen Beteiligten wurden die Gebiete vorläufig eingeteilt. Gebäude mit hohem Wärmebedarf oder Signalwirkung für die Gemeinden wurden identifiziert. Der Wärmebedarf dieser etwa 100 Objekte wurde durch Befragungen ermittelt. Zur Abschätzung des verbleibenden Wärmebedarfs wurde das Gebiet vor Ort erfasst. Hierbei wurde das Gebiet nach Siedlungstypen eingeteilt, diese Bereiche wiederum in Gebiete mit repräsentativen Gebäudetypen. Stichprobenartig wurde die Einstufung im Gespräch mit Nutzern überprüft und der reale Brennstoffverbrauch für die spätere Plausibilisierung der Kataster erfasst. Diese Sachdaten wurden im GIS mit den Geodaten verknüpft.
Wärmebedarf der Einzelobjekte in Utting.
Erschließungsszenarios und Wirtschaftlichkeit Hierbei wurde jedes Netz im GIS als gerichteter Graph umgesetzt, um in jedem Abschnitt Übertragungsleistung und in der Folge Leitungsdimension und Wärmeverluste kalkulieren zu können.
Erschließungsszenario 2 für die Gemeinde Utting.
Wirtschaftlichkeitsrechnung Szenario 2 für Utting: Kapitalwert- und Überschussentwicklung über den Betrachtungszeitraum. Jedes Netzmodell beinhaltet die Kostenschätzung nach Leitungsdimension und Abschnittslängen. Diese Investitionskosten, die Nutzungsdauer und die Zinskonditionen ergeben die Kapitalkosten. Den zweiten großen Kostenblock bilden die Verbrauchskosten - bei Geothermie-KWK-Projekten im Wesentlichen Strommindererlöse gegenüber einer ungekoppelten Stromerzeugung.
Die ermittelten Gesamtkosten gehen gemeinsam mit der erwarteten Anschlussentwicklung und dem erzielbaren Wärmepreis in eine dynamische, zeitreihenbasierte Wirtschaftlichkeitsrechnung ein, deren Ergebnis gängige Kennzahlen zur Bewertung der Projektwirtschaftlichkeit sind. Empfehlungen und Synergien Die GIS-Dateien sind in gängige CAD-Formate exportierbar und so Grundlage für Entwurfspläne. Zudem existiert im GIS-Modell je Gebäude und Netzabschnitt ein Datensatz, sodass die Datenhaltung im Nahwärmebetrieb auf den GIS-Datenbanken aufbauen kann. Dies sind handfeste Synergien zwischen Projektentwicklung und Planung bzw. Betrieb. Schließlich ist das Wärmekataster über das Projekt hinaus für die Gemeinde ein zentraler Baustein eines umfassenden Energienutzungs- und Energieentwicklungsplans.
Machbarkeitsstudie Wärmeabsatz und Investitionskosten bestimmen maßgeblich den Projekterfolg - sinnvoller Netzaufbau (räumlich) und -ausbau (zeitlich) sind entscheidend. Die Studie zeigt, dass Geothermie-Wärmenetze in ländlichen Gemeinden wirtschaftlich sein können. Eine sorgfältige Projektentwicklung schützt vor Bauchlandungen. Deshalb sollten derartige Investitionsentscheidungen nicht aufgrund von "Faustwerten" und "Bierdeckelrechnungen", sondern von Machbarkeitsstudien mit GIS-basiertem Wärmekataster getroffen werden. Bilder: TfT Autor Bernhard Gubo ist Geschäftsführer (CEO) bei |